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Wann wird der Politiker zum Unternehmer?

Die Aufgaben der Politik lassen sich in zwei Sätzen zusammenfassen: Für Recht und Ordnung sorgen. Die Wohlfahrt maximieren. Über diese Aussagen lässt sich diskutieren. Sie sind ziemlich abstrakt. Die Politik hat aber noch eine andere, viel konkretere Aufgabe: die öffentliche Verwaltung effizient organisieren.

Quelle: IHZ Zentralinfo September 2020

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Kurt Gisler, CEO Mint System GmbH, Landrat Kanton Uri

Wenn es darum geht, die administrativen Prozesse effizient zu gestal- ten, die dafür notwendigen Ressourcen sorgfältig und kundenorien- tiert einzusetzen, dann werden Politiker zu Unternehmern. Im Zeitalter der Digitalisierung wird der Hebel zwischen dem intelligenten Einsatz moderner Technik und erreichter Wirkung zudem stetig grösser. Per- sönliche Attribute wie technischer Sachverstand, strategische Weit- sicht und Mut zum Risiko sind für die Entscheidungsträger der Ver- waltung besonders wichtig. Auch hier gilt: Querdenker sind gefragt. Unternehmer, die ihren eigenen Weg gehen, sind den anderen voraus.

AUCH IN DER POLITIK AUF
INNOVATIVE PRODUKTE SETZEN

Ein Beispiel: Open-Source-Software bietet viele Vorteile, darin sind sich Experten einig. Der Quellcode ist frei verfügbar, er gehört nie- mandem. Alle Interessierten können teilhaben und die Verwendung ist meistens lizenzkostenfrei. Warum ist diese Technologie in den öffentlichen Verwaltungen so selten anzutreffen? Wahrscheinlich weil die Entscheidungsträger nicht bereit sind, einen eigenen Weg zu gehen. Fernab vom Mainstream auf neue innovative Produkte zu set- zen, ist in der Politik nicht üblich.

Odoo • Text und Bild
Marco Roeleven, CSO Mint System GmbH,
Landrat Kanton Uri

Doch würde genau dieser Ansatz die KMU und damit einen bedeu- tungsvollen Motor unserer Wohlfahrt unterstützen. Wenn politische Entscheidungsträger in der Führung ihrer «Firma» (sprich öffentliche Verwaltung) mit einer innovativen Haltung neue Produkte einsetzen, dann können moderne KMU profitieren. Zum Beispiel viele Schwei- zer Firmen, die sich mit Software-Engineering beschäftigen. Leider haben es KMU in der Software-Industrie schwer, gegen die grossen amerikanischen IT-Giganten erfolgreich zu sein. Es ist ein Kampf «David gegen Goliath». Dieses Kräfteverhältnis ist aber aus techno- logischer Sicht nicht gerechtfertigt. Mit den Möglichkeiten von Open-Source-Software vereinigen sich weltweit vernetzte Entwickler- Communities zu Expertennetzwerken mit einer beeindruckenden Innovationskraft. Lo- kale Anbieter können sich anschliessen. Die Wertschöpfung in der Region kann wesent- lich gesteigert werden.

ES BRAUCHT UNTERNEHMERISCH HANDELNDE POLITIKER

Politikerinnen und Politiker sollten in der aktuellen Zeit Trendsetter für den Einsatz digitaler Technik in der Unternehmensorgani- sation sein. In ihrer Führungsaufgabe inner- halb der öffentlichen Verwaltung haben sie hierfür alle Möglichkeiten. Die Förderung des Einsatzes von Open-Source-Software ist ein konkretes Beispiel, wie Schweizer KMU unter- stützt werden können. Gute Rahmenbedin- gungen für unsere lokale Wirtschaft sind unter anderem unternehmerisch handelnde Exekutiv-Politikerinnen und -Politiker als Manager der öffentlichen Verwaltung.
Janik von Rotz
30 September, 2020
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